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Über das eBook

Stephan Voß

Selbstzerstörung oder das Ende der Piraterie

Sir Francis Drake sagt: Ist alles für umsonst!

  • FSK ab 16 Jahren
  • Sprache: de
  • Veröffentlicht:
  • ISBN:
  • Format: amobo Format. Verfügbar im Browser, PDF und als ePub.

Über den Autor

Sie brachen die Tür auf. Es was mitten in der Nacht. Leise schlichen sie zum Arbeitszimmer. Sven ließ den Strahl der Taschenlampe vorauswandern. Sie wussten, der Freibeuter schlief den Schlaf des Dummen und Gerechten. Sie hatten vorher seine Lebensgewohnheiten, Stärken und Schwächen ausbaldowert. Sein infernalisches Schnarchen ließ den Boden und die Wände erbeben, und obwohl die Schlafzimmertür geschlossen war, war es laut wie auf einer Großbaustelle. Sie beschlossen aufgrund des Lärmpegels nicht besonders leise sein zu müssen. Rattern und Summen drang aus dem Arbeitszimmer, bläuliches Licht brandete unter dem Türspalt hervor.
»Scheiße, Alter, ich wette der Sausack klaut, während er pennt, meine Gedichte.«
»Oder meine neueste Story, Henry!«
Sie wollten die Tür öffnen, sie war jedoch abgeschlossen.
»Also wenn das nicht ein Hinweis auf ein Kapitalverbrechen ist, Sven!«
»Du sagst es, Alter! Wer schließt denn ein Zimmer ab, wenn er zuhause ist. Dazu allein.«
Henry nahm das Brecheisen wieder aus dem Rucksack und knackte das Türschloss. Sie stießen die Tür auf und warfen einen entsetzten Blick auf die Diebesmaschine des Freibeuters. Sie klaute unermüdlich Henrys Verse und Svens Geschichten. An der Wand hing ein Riesenplakat mit dem gewissenlosen Spruch »Nieder mit dem Urheberrecht« und zwei Poster mit den Parolen »Freibeuter aller Herren Länder vereinigt euch« und »The Buccaneer Party wants you!«. Sven sah sich die kopierten Dateien des räuberischen Programms genauer an.
»Hey, da sind auch Connys Songs und Edwards Oper, ich krieg zuviel. Weißt du, wie lange Edward daran gearbeitet hat?«
»Alter, das musst du mich nicht fragen. Frag das den Drecksfreibeuter!«
»Zweitausend Stunden, ganze Nächte hat er komponiert, und hier dieser Kerl zahlt noch nicht mal einen bekackten lächerlichen Euro!«
»Conny hat auch ziemlich lange an ihren Songs geschrieben,
und du hast viel Herzblut und Kraft in deine Geschichten gesteckt und bekommst von so einem Arsch keinen Cent, er klaut dir einfach jedes Wort.«
»Ist so als würde er unsere Arbeit nicht respektieren, der Buccaneerwichser!«
»Das hat ja jetzt ein Ende!«
»Genau, die Rache der Künstler an den verstaubten IT-Dieben!«
»Ich kann den Rechner gut gebrauchen, verkaufe ich an Jamal, und guck, da liegen zwei Notebooks, den Drucker können wir auch mitnehmen. Pack die Notebooks in den Rucksack, Sven. Ich trage den Rechner und den Drucker. Danach werden wir unsere Operation...«
Auf das bläuliche Licht legte sich ein fetter Schatten und erstickte es mit seinem Gewicht. Sven und Henry sahen gleichzeitig zur Tür. Im Rahmen stand der Eigentümer des übergewichtigen Schattens. Er schaltete das Deckenlicht an.
»Verdammt, wer seid ihr? Einbrecher?! Ich ruf die Polizei!«
Der langhaarige Schattenmann drehte sich um. Henry reagierte als erster, er riss Sven das Notebook aus der Hand, war in zwei Sätzen beim Freibeuter und schlug ihm das Teil mit aller Kraft über den Schädel. Da dieser einen uneinsichtigen Kopf hatte, sich mit hochmütigem Blick umdrehte, zog Sven, der sofort zur Stelle war, das zweite Notebook durch. Die Freibeuternase blutete, sein Mund eine blutende Pfütze, er röchelte und ging dann endlich in die Knie.
»Alter, die Notes sind im Arsch!«
»Ja, Henry, aber den Rest können wir in Ruhe zum Auto bringen.«
Sie brachten das Computerequipment zu ihrem Kombi. Als sie zurückkamen, kroch der fette Freibeuter auf allen Vieren Richtung Terrassentür.
»Scheiße, er versucht zu entkommen!«
Sven kramte im Rucksack.
»Wo um Himmelswillen sind die Augenklappen?«
»Ausgegangen.«
»Die Haken?«
»Verbraucht.«
»Die Holzbeine?«
»Keine mehr da.«
Der Freibeuter keuchte, Blut lief an seinem Doppelkinn herunter, tropfte auf den Teppich, Henry verstellte ihm den Weg.
»Wo willst du eigentlich
hin, du Schiffsratte?«
Er gab ihm einen mächtigen Tritt in die Magengegend. Der Buccaneer hustete und erbrach sich auf dem Teppich. Er stöhnte und kroch zur Couch.
»Wa...wer...wer...seid...ihr? Was...was...wollt...ihr?«
»Alter, du beklaust uns! Du nimmst uns unsere Kunst weg, kostenlos! Das können wir nicht durchgehen lassen.«
»Ich...stehle...nichts, ich nutze alles für den privaten Gebrauch und Tausch. Songs für andere Songs, ein Buch für ein anderes Buch.« Er rappelte sich auf und setzte sich auf die Couch.
»Das sollen wir dir glauben?«
Sven sah sich im Wohnzimmer um. Bücherregale ohne Bücher. Stattdessen CD an CD, DVD an DVD, alles gebrannt. Sven nahm eine Hülle heraus.
»Ja, früher als die Festplatten noch teuer waren und wenig Speicherkapazität hatten, musste man alles auf Rohlinge brennen«, lächelte der Freibeuter. Seine Hand streichelte bei jedem Wort ein gelbfleckiges Samtkissen.
»Was machst du beruflich?«
»IT-Bereich.«
»Das wissen wir. Was genau?«
»Ich entwickle Software.«
»Auch das ist kein Neuland. Präziser!«
Der Freibeuter tupfte sich mit einem Taschentuch den Mund ab, rutschte auf der Couch hin und her.
»Wenn ihr eh schon alles wisst, dann...«
Sven warf ihm eine DVD-Rom in den Schoß. Des Freibeuters Augen weiteten sich.
»Wir wollen die Wahrheit aus deinem Mund hören, Jens!«
Jens schluckte und blieb hartnäckig stumm.
»Wie du willst! Du entwickelst heimlich Programme, die den Kopierschutz knacken. Du verkaufst sie unter der Hand. Du bist ein bigotter IT-Wichser. Außerdem entwickelst du Bürosoftware und verkaufst Apps, was beides zugegeben völlig legal ist.«
»Du hältst bei Rot an der Ampel, auch das müssen wir dir zugute halten«, fügte Henry hinzu.
»Woher habt ihr das?« Jens wedelte mit der DVD-Rom vor ihren Nasen herum.
»Wir haben unsere Informanten.«
»Und ihr glaubt, ihr könnt hier ungestraft eindringen, mich verletzen und
meine Hardware entwenden?«
»Nicht ungestraft. Aber ja, wir lassen deine Sachen mitgehen, weil du unser Eigentum und unsere Arbeit nicht respektierst!«
Henry holte eine Säge und einen Schraubenzieher aus dem Rucksack.
»Wir werden dich jetzt buccanisieren, bei lebendigem Leib. Leider sind uns die Augenklappen ausgegangen, wir bitten, das zu entschuldigen. Und auch die Krallenhände und die Holzbeine.«
Jens sprang auf. Er schrie, »Ihr seid ja völlig wahnsinnig!«
Henry zuckte die Schultern.
»Naja, wir sind Künstler. Die sind oft abnorm.«
»Aber wir fühlen uns ziemlich wohl dabei«, sagte Sven rasch.
Und mit diesen Worten knallte er dem fliehenden Freibeuter eine Eisenpfanne ins Gesicht. Er ging wie ein lausiger Schwergewichtsboxer zu Boden. Kein Laut, nicht ein Zucken.
»Alter, was für ein Theater!«
»Ja, Mann, die anderen der Crew haben sich nicht so geziert«, sagte Henry.
»Das ist der letzte für heute...hey, ich habe ja doch noch eine Augenklappe übrig, hier in der Gesäßtasche!«, frohlockte Sven.
»Du und deine Eisenpfanne, unschlagbar.«
»Nur, dass ich sie nach unseren Aktionen immer spülen muss, wenn ich Bock auf mein Poetengericht habe.«
»Welches Auge hättest du den gerne, Alter?« Henry tippte mit dem Schraubenzieher erst auf das linke, dann auf das rechte Auge.
»Hm, das so menschlich blickt. Ich glaube, ich nehme das.«
Henry stach das bezeichnete Auge aus. Sie stopften einige Tupfer in das Loch und setzten Jens die Augenklappe auf. Dann sägten sie ihm ein Bein und eine Hand ab. Sie banden alles ab, machten eine Bandage. Sie drückten ihm einen Gutschein für Seeräuberutensilien in die verbliebene Hand, einzulösen bei einem somalischen Online-Händler.
»Das war’s für heute.«
Jens wachte auf, er schrie vor Schmerzen, krümmte sich am Boden, lief puterrot an und explodierte unversehens.
Sven und Henry wurden über und über mit orangefarbenem Blut und
Gewebeteilen bespritzt.
»Verdammte Scheiße! Schon wieder! So kriegen wir niemals eine komplette Freibeutercrew zusammen. Das war jetzt der Einundfünfzigste! Entweder sie verbluten oder explodieren! Das darf einfach nicht wahr sein!«
»Alter, ich finde die überreagieren alle völlig!«, rief Sven.
Sie nahmen ihre Sachen und verließen resigniert das Haus.

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  • Majala hat dieses eBook mit 5 Sternen bewertet. 10.04.2012 12:03

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